Tag-Archiv für 'Recht'

Google Books + Urheberrechtsdebatte = Kompetenz 0,0

Panikmache, gefährliches Halbwissen, Diskussionen auf Bild-Niveau. Selbiges gelesen im heutigen Standard(!). Dennoch gibt es differenzierte Ansichten – aber nur bei den Gastkommentaren.

Leonhard Dobusch, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Management der freien Universität Berlin, hat schon recht, wenn er in einem Gastkommentar im heutigen Standard aufzeigt, dass die “Debatte um Google Books” etwas seltsame Ausmaße annimmt.

Eine Wiener Schriftstellerin habe sich beklagt, Google greife mit der Digitalisierung von Büchern in ihre Persönlichkeitsrechte (sic!) ein. Die österreichische Verwertungsgesellschaft für Autoren beschuldigt Google, die größte Urheberrechtsverletzung aller Zeiten zu begehen. Und ein Grazer Autor bezeichnet Google als “psychotischen Riesenkonzern”.

Bitte nicht gleich so intellektuell…

Jack Wolfskin Abmahn-Debakel

Jack Wolfskin blamiert sich zur Zeit vollständig im Netz, berichtet unter anderem der Spiegel Online. Das Unternehmen geht nach dem peinlichen Rechtsstreit mit der Berliner Tageszeitung taz dazu über, Privatpersonen, die auf der Bastel-Community DaWanda Produkte mit Katzen(!)pfoten eingestellt haben, abzumahnen.

Jack Wolfskin eröffnet den Abmahn-Herbst schreibt der Werbeblogger, und auch die
Konkurrenz lacht über Jack Wolfskin verkündet der Textberater…

…und womit? Mit Recht.

Gesetz von Benford beweist Fälschung vom Ergebnis der Wahl im Iran

Boudewijn F. Roukema, ein französischer Astrophysiker der zur Zeit am Kopernikus-Institut in Torun (Polen) forscht, hat Zahlen veröffentlich, die beweisen können, dass es bei der Präsidentschaftswahl im Iran zu Fälschungen gekommen ist.

Bericht im Online-Standard
Link: Benford’s Law anomalies in the 2009 Iranian presidential election

Pirate Bay – Das Urteil

The Pirate Bay – das sind Gottfrid Svartholm Warg, Peter Sunde und Fredrik Neij. Vergangenen Freitag wurden die drei Betreiber und deren Unterstützer Karl Lundstrom, Inhaber des Knäckebrot-Herstellers “Wasabröd”, wegen “Beihilfe zum Urheberrechtsverstoß” verurteilt.

Das Urteil lautete auf 1 Jahr Gefängnis plus Schadensersatzforderung von 2,7 Millionen Euro an diverse Medienkonzerne. Es ist noch nicht rechtskräftig und die Macher von Pirate Bay wollen in zudem Berufung gehen. Es sei “das irrsinnigste Urteil” das sie je vernommen hätten, so einer der Betreiber im O-Ton.

» mehr zum Thema ‘Pirate Bay – Das Urteil’ lesen

Überwacht die Überwacher!

ÜBERWACH! ist eine Aktion, welche nach schwedischem Vorbild darauf aufmerksam machen möchte, in welche Richtung sich Deutschland mit dem Thema “Vorratsdatenspeicherung” bewegt.

Man kann mitmachen und Zugriffe auf die eigene Website von “verdächtigen” Behörden und Ämtern protokollieren lassen, indem man einen kleinen JavaScript Code (zum Beispiel auf der Startseite) einfügt. Schließlich gibt es auf der Homepage von ÜBERWACH! auch eine Statistik, welche Behörden wo “vorbeigeschaut” haben.

Das Thema ist eine ernste Sache, mit der sich jeder Mensch zumindest für ein paar Minuten beschäftigt haben sollte, denn hier geht es um die letzte Freiheit die wir zu verlieren haben: Privatsphäre.

Ikea – bloggst du noch oder wurdest du schon verwarnt?

Eigentlich eine verblüffend gute Marketingidee, ganz nach dem Web 2.0 Gedanken und vollständig dem AAL-Prinzip (andere arbeiten lassen) folgend: Auf dem deutschen Pendant www.ikeahacker.de zu ikeahacker.blogspot.com konnte man bis vor kurzem noch die spannendsten Bastelanleitungen zum Thema “Pimp my IKEA-Möbel” lesen.

Doch damit ist jetzt Schluß – der schwedische Möbelriese hat dem jungen und erfolgreichen Blog den Riegel vorgeschoben. Die Frankfurter Rundschau berichtete darüber vergangene Woche.

Bleibt nur zu hoffen, dass das internationale Pendant von Ikeahacker nicht dasselbe Schicksal erleidet. Allein die dort vorgestellten Varianten von aus IKEA-Truhen umgemodelten Katzenklos sind einfach nur kultig. Möbelmodding deluxe – lasst dem Anwender doch den Spaß am kreativ sein und schaut euch vielleicht die eine oder andere Idee ab, liebe Ikea-Leute.

Hamburg gibt Watchblogs keine Chance

Das Oberlandesgericht Hamburg urteilt wieder einmal scharf in Sachen Markenschutz: Wer nicht zu einem Unternehmen gehört, darf auch kein unternehmensname(-)blog.de betreiben. Ist das etwa das Aus für Stefan Niggemeiers Bildblog?

Bloggern zufolge habe der Finanzdienstleister MLP eben ein solches Blog verklagt – das zugehörige Blog wurde inzwischen in MLP-Watchblog umbenannt. MLP hat diese Gerüchte vorerst nicht bestätigt.

In diesem Fall ist jedoch nicht der Markenschutz ausschlaggebend, sondern – im Falle von MLP völlig zu Unrecht – das Namensrecht: Das Bildblog und die Bild Zeitung üben beide primär journalistische Tätigkeiten aus – damit könnte eben das Bildblog den “Funktionsbereich des Unternehmens beeinträchtigen”. Im Falle von MLP kann man von einer solchen Übereinstimmung nicht ausgehen.

Die “Bildblog”-Betreiber werden auf jeden Fall weiterarbeiten.

Lesetipps:
Die Spiegel-Story um das Urteil des OLG Hamburg, Bildblog, MLP-Blog u.s.w.
Ein Bericht auf ProBloggerWorld zum OLGH-Urteil, Bundesligablog u.s.w.

In dubio pro Google

Das Handelsblatt schreibt wieder. Diesmal wird jedoch der DoubleClick-Deal gutgeheißen (es ist auch ein anderer Autor).

Kein Wunder, schließlich hat Google-CEO Eric Schmidt eben erst verkündet: 63% Umsatzwachstum, 69% Gewinnwachstum. Dazu kommt noch, dass 1600 neue Arbeitsplätze – u.a. durch das neue Google “Büro” in Argentinien – geschaffen wurden und trotzdem der Anteil der Personalkosten am Umsatz zurückgegangen ist.

Tja, wenn die Zahlen stimmen, dann haben alle freundliche Nasenlöcher.

Google bezieht Position in der Causa Viacom

Üblicherweise verhält sich Google angesichts aktueller Meinungen im Netz oft neutral, doch in einem Gastkommentar der Washington Post bezieht Googles Chefanwalt, Michael Kwun, folgendermaßen Stellung: “Viacoms Klage ist ein Angriff auf die Art wie Menschen über das Netz kommunizieren und auf Plattformen, die es den BenutzerInnen erlauben, sich das Internet anzueignen”.

Der DMCA (Digital Millenium Copyright Act) besagt, dass Seiten wie YouTube oder MySpace zwar verpflichtet sind, Inhalte die eine Copyright-Verletzung darstellen, auf Wunsch des Rechteinhabers zu entfernen. Umgekehrt hätten Rechteinhaber aber die Verpflichtung, konkrete Verstöße zu benennen.

Interessant, dass auch Rechtsexperten die für Viacom tätig sind, an der Erstellung des DMCA beteiligt waren. Weiters habe Viacom nach dem Scheitern der Verhandlungen mit Google die Entfernung von 100.000 YouTube-Videos verlangt, ein Begehren, dem Google umgehend nachgekommen ist, obwohl sich später herausstellte, dass einige Videos unproblematisch waren.

Auch wenn Google sich derzeit an vielen Fronten weit aus dem Fenster lehnt, so ist absehbar, dass jeder “Sieg” in einer bestimmten Angelegenheit das Unternehmen weiter stärken wird.

Viacom verklagt Google

Viacom, ein US Medienkonzern der u.a. die bekannten Marken MTV und VH1 besitzt, verklagte am 13.März 2007 Google auf Schadensersatz und versucht, beim Bezirksgericht New York eine Unterlassungsverfügung zu erreichen. In der originalen Pressemitteilung von Viacom heißt es, bisherige Verhandlungen wären unproduktiv gewesen und es gäbe keine Anzeichen einer Änderung der Situation.

Außerdem ließ Viacom verlautbaren, dass 160.000 urheberrechtlich geschützte Videos vermutlich über 1,5 Milliarden mal auf der Plattform YouTube aufgerufen worden seien. Die Klage beläuft sich auf 1 Milliarde US-Dollar – auch kein Betrag den Google aus der Portokasse finanziert.

Das Viacom Netzwerk - auch nicht bescheiden

Der Vorwurf, dass Google mit YouTube massive Werbeeinahmen zu Unrecht erzielt, wird meiner Meinung nach dadurch relativiert, dass seitens Viacom auch nur Interesse an der Erreichung der Umsatzziele als an der sozialen Absicherung künstlerischer Existenzen besteht, obgleich das Unternehmen in der Pressemitteilung doch sehr als Beschützer der Künstler und Kreativen verstanden werden will.

Doch eines steht fest wie das Amen im Gebet: An der Gesamtsituation wird das genausowenig ändern wie zu Zeiten von Napster weitere Remakes wie Soulseek, eMule oder Shareaza verhindert worden wären. Im Gegenteil, meistens geht der Schuss nach hinten los. Also mal abwarten und Tee trinken und dazu ein paar Videos von YouTube anschauen.